Mitten im Corona Prozess


Der Himmel ist grau, es donnert. Den Blitz habe ich zwar nicht gesehen, doch weiß ich, dass sich gerade etwas entlädt. In mir? Bei uns allen? Ich beobachte die Zeit in der wir uns gerade befinden, quasi als Zeitzeuge. Nachdem mich Corona zu einer Vollbremsung kurz vor meinem Peak (Releasekonzert) veranlasst hat, habe ich in der Musik die Entschleunigungstaste gedrückt. Wieder kleinere Schritte, dem inneren Kompass folgend erfühlen was jetzt dran ist. Plan, Druck, Kontrolle adé. Kontemplation, Meditation, Wissensdurst und ein wachsendes Vertrauen sind meine aktuellen Weggefährten.


Jetzt habe ich den Blitz ganz deutlich gesehen - direkt vor meinem Fenster schießt er quer über die hellgrünen Baumkronen und löst sich binnen Sekunden auf ...ich zähle bis fünf.. der Donner bäumt sich grollend auf. Der Donner der Erkenntnis? Der Donner der Strafe? Der Donner des Rechthabenwollens? Der Donner der Apokalypse? Ich erlebe mich wie ich verstehen möchte, was kollektiv mit uns passiert. Ich ziehe mir alle möglichen Informationen auf allen möglichen Ebenen rein. Habe ich Angst dabei? Naja...also kurz ist sie hier und da schon aufgeblizt. Während der Donner abebbt, frage ich mich: Wie geht es weiter? Was passiert mit uns? Können die das einfach so mit uns machen? Dürfen die das? Was läuft da wirklich ab? Und gleichzeitig wäge ich ab: Erliege ich hier möglicherweise einer (Opfer-) Falle im Denken? Und oh je darf ich mir diese Fragen überhaupt stellen? Oder sollte ich lieber brav in einer "ich hinterfrage Nichts - alles darf sein" rosa Blase bleiben?



Da wo mein Fokus ist, davon erschaffe ich mehr...hab ich mehrfach gehört, gelesen, erlebt. Das macht es grad nicht einfacher. Denn da gibt es einen breitgefächerten Forscherdrang in mir. Ich möchte ihn mir nicht verbieten. Ich kann noch nicht erfassen, wofür das alles gut ist. Warum ich in Abgründe geblickt habe und mich gewissen Themen im Außen und somit Innen gestellt habe. Ich halte den Atem an. Darf ich das hier schreiben? Darf ich hier so offen sein? Der Atem fließt weiter.


Ich erinnere mich an eine Erkenntnis aus der Psychologie. Da heißt es, dass Heilung geschehen kann, wenn man sich traut hinzuschauen und die eventuell damit einhergehenden Gefühle, z.B. Schmerzen zu fühlen. Also in deren Feuer stehenzubleiben. Es darf alles sein. Ich stocke wieder, denn ja ich weiß, um die kontrollierenden Verdrängungsmechanismen. Die alles so beibehalten wollen wie es war. Bloss nicht den Deckel hochheben. Pfui! Und nein das ist zu dunkel, das darf nicht sein. Das glaub ich nicht. Das war nicht so. Die Hand der inneren und äußeren Kontrolle schnürt mir die Luft zum Atmen ab. Im Bauch zieht es sich zusammen. Habe ich etwas falsch gemacht? Ich wollte doch nur...verstehen, auflösen und glücklich sein... Während ich mich noch winde und versuche der Schlinge diverser Feindbilder im Außen zu entkommen, schlägt schon längst der Blitz in mir ein, kurz gefolgt vom Donner... es schmerzt. Ich fühle alles was sich da zeigen möchte. Die Ohnmacht, die Wut, das Missverstandensein, die Trauer...Nach und nach merke ich, es darf sein und ich nehme es an. Ich kämpfe nicht mehr dagegen. Umarme es und mich liebevoll. Die Wolken ziehen weiter, der Donner verebbt und ich atme erleichtert in der neuen klaren Luft auf.



Bei aller Kontroverse im Außen, erlaube ich mir weiterhin zu beobachten was geschieht. Ich darf täglich dazu lernen und dadurch meine Sichtweise adjustieren. Ich versuche offen zu bleiben. Diese Freiheit die ich mir selbst zugestehe, muss (möchte) ich auch anderen zugestehen. Und solange diese persönliche Freiheit (im Geist, in der Meinung, Handlung...) niemanden ernsthaft schadet und übergeordnet zum Wohl des Ganzen ist...kann es nicht gänzlich falsch sein, oder?


Hinschauen bedeutet für mich Licht ins Dunkel zu bringen. Nicht hinschauen und so tun, als sei etwas nicht existent ist langfristig keine Lösung.



Der Himmel ist mittlerweile aufgeklart. Hellblau mit hochaufgetürmten Schäf´chen Wolken. Und während ich so in den blauen Himmel schaue bin ich dankbar für das was ich habe. Was ich alles erleben durfte. Ich darf auf so viele schöne Momente zurückblicken. Diese Gedanken nähren mich.


Die Wolken ziehen behäbig weiter. Irgendwie beruhigt mich das. Ich weiß nicht was aktuell das Beste für uns alle wäre. Und ich wünsche mir aktuell auch nichts. Diese Wunschlosigkeit fühlt sich befreiend an. Instinktiv fühle ich, dass alles gut wird und möglicherweise noch viel besser, als es sich mein Verstand je ausmalen könnte. Ich lasse los.


Fotos: Laura Besch






37 Ansichten
  • Facebook - Grey Circle
  • YouTube - Grey Circle
  • Instagram - Grey Circle

Unterstütze meine Arbeit

Album on